Zeitraum: Oktober 2022 – April 2023
Schwerpunkte: Editorial Design · Informationsdesign · Typografie · Infografik · User-Centered Design · Fragebogenmethodik
Vade mecum heißt „Geh mit mir!" und beschreibt ein Handbuch, das man ständig bei sich trägt. Im Rahmen meiner Masterarbeit entstand ein kompaktes Nachschlagewerk im A6-Format, das die Grundlagen der Medien- und Printgestaltung auf das Wesentliche verdichtet: Typografie, Farbe und Bild, Layout und Drucktechnik. 

Mockup der Titel und einer Innenseite – KI generiert

Ausgangspunkt war kein Mangel an Information, sondern ihr Überfluss. Wissen, das nicht regelmäßig angewendet wird, verschwindet und wer es zurückholen will, findet online eher zu viel als zu wenig. Das Vademecum sollte der Gegenentwurf sein: reduziert, geordnet, mit dem Wichtigsten auf einem Blick.
Bevor ich mit der Gestaltung beginnen konnte, stand allerdings eine unbequeme Frage im Raum: Ist ein gedrucktes Buch für die Zielgruppe Erstsemester der Generation TikTok überhaupt noch das richtige Medium? Ich war darauf eingestellt, dass eine junge Zielgruppe zum Digitalen tendiert. Spoiler: Sie tat es nicht. Die Medienwahl hängt, wie meine Arbeit zeigt, nicht am Alter, sondern an Bedürfnis und Situation. 
Die Entwicklung folgte dem User-Centered Design und stützte sich auf drei Nutzerbefragungen. Eine Online-Befragung mit 45 gültigen Rückmeldungen klärte zunächst die Medienfrage: 55 % sprachen sich für das gedruckte Buch aus, gemeinsam mit dem PDF 76 %. Entschieden wurde deshalb für beides: ein gedrucktes Buch sowie eine PDF-Fassung, deren Einzelseiten für die mobile Nutzung im Hochformat funktionieren. 
Für die Wahl der Leseschrift wurden sieben Vergleichsseiten mit je sechs Schriftsätzen, in Originalgröße und bewusst auf einem Tintenstrahldrucker ausgegeben. Aus neun Font-Kandidaten setzte sich Halyard Micro durch, die Dank ihrer großen x-Höhe bei 7 pt so gut lesbar wie andere Schriften bei 8 pt. 
Auch die Coverentwürfe wurden in Originalgröße ausgehängt und per Post-it kommentiert. Bemerkenswert war dabei die Entscheidung gegen den subjektiv attraktiveren Entwurf: Das bunte Cover mit überlagerten CMY-Flächen wirkte jünger, moderner, dynamischer, lenkte auf den Innenseiten jedoch vom Inhalt ab. Für ein Lernmedium war das ein Ausschlusskriterium. 
Die Gestaltung basiert auf einem sechsspaltigen Raster und fünf Textformaten mit je einem Negativformat. Grafiken stehen direkt neben ihrer Erklärung, ergänzt durch Handmarken, Index und Kapitel-Intros mit klar benannten Lernzielen. 
Ergebnis
Fertiggestellt wurden Cover, Vorwort, Inhaltsverzeichnis, Rückseite und das vollständig gestaltete erste Kapitel Typografie — inklusive selbst gestalteter Infografiken und überarbeiteter Texte. Recherche und Grafikerstellung waren aufwendiger als geplant; statt alle fünf Kapitel halbfertig auszuliefern, habe ich eines vollständig durchgestaltet.
Das ist zugleich die beste Grundlage für den nächsten Schritt: Ein gelayoutetes Kapitel wirkt anders als eine Einzelseite. Die Evaluation mit der Zielgruppe steht daher bewusst am Anfang der Fortsetzung, nicht am Ende dieser Arbeit.
Nachfolgend der Link zur Druckbogen Ansicht:

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